Overtrading erkennen und vermeiden

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Overtrading erkennen und vermeiden – so schützt du dein Trading-Konto

Mehr Trades bedeuten nicht automatisch mehr Gewinn. Im Gegenteil: Einer der häufigsten Gründe, warum Trader trotz einer grundsätzlich funktionierenden Strategie Geld verlieren, ist Overtrading.

Ein Verlust soll möglichst schnell wieder ausgeglichen werden. Nach einem Gewinn entsteht das Gefühl, gerade einen besonders guten Lauf zu haben. Oder man sitzt vor dem Chart und sucht so lange nach einer Gelegenheit, bis aus einem mittelmäßigen Setup plötzlich ein vermeintlich guter Trade wird.

Das Problem dabei: Irgendwann wird nicht mehr nach dem eigenen Trading-Plan gehandelt, sondern aus Emotionen heraus.

In diesem Artikel zeigen wir dir, wie du Overtrading erkennst, warum es entsteht und mit welchen konkreten Regeln du es vermeiden kannst.

Was ist Overtrading?

Von Overtrading spricht man, wenn ein Trader zu viele Trades eingeht oder Trades eröffnet, die nicht den eigenen Regeln entsprechen.

Dabei gibt es keine feste Zahl, ab der Trading automatisch zu Overtrading wird.

Ein Scalper kann beispielsweise 15 Trades am Tag ausführen und vollkommen regelkonform handeln. Für einen Swing Trader können dagegen bereits drei Trades innerhalb eines Tages ungewöhnlich viel sein.

Entscheidend ist deshalb nicht die reine Anzahl der Trades.

Die wichtigere Frage lautet:

Würdest du diesen Trade auch eingehen, wenn dein vorheriger Trade weder Gewinn noch Verlust gebracht hätte?

Wenn die Antwort Nein lautet, spielen wahrscheinlich Emotionen eine größere Rolle als das eigentliche Setup.

Warum Overtrading so gefährlich ist

Overtrading wirkt zunächst relativ harmlos. Schließlich gehört das Eröffnen von Positionen zum Trading dazu.

Langfristig kann es jedoch erhebliche Auswirkungen auf die Performance haben.

1. Die Qualität deiner Setups sinkt

Wenn du unbedingt einen Trade finden möchtest, verändern sich unbewusst deine Anforderungen.

Aus einem klaren A-Setup wird irgendwann:

„Das sieht eigentlich ganz interessant aus.“

Und wenig später:

„Ich probiere es einfach.“

Genau hier beginnt häufig das Problem.

Je mehr Kompromisse du bei deinen Einstiegsregeln machst, desto weniger Aussagekraft hat deine eigentliche Strategie.

 

2. Transaktionskosten steigen

Jeder zusätzliche Trade verursacht Kosten.

Dazu können unter anderem gehören:

  • Spread

  • Kommissionen

  • Slippage

  • Finanzierungskosten beziehungsweise Swaps

Ein einzelner zusätzlicher Trade fällt möglicherweise kaum ins Gewicht. Bei dauerhaftem Overtrading können diese Kosten jedoch einen erheblichen Teil der Performance auffressen.

Besonders bei Strategien mit kleinen Gewinnzielen ist dieser Effekt nicht zu unterschätzen.

 

3. Emotionale Entscheidungen nehmen zu

Trading besteht nicht nur aus Marktanalyse.

Psychologie spielt ebenfalls eine wichtige Rolle.

Je mehr Trades du innerhalb kurzer Zeit ausführst, desto größer wird häufig die emotionale Belastung.

Nach Verlusten entsteht beispielsweise der Wunsch, das verlorene Geld möglichst schnell zurückzugewinnen.

Nach Gewinnen kann dagegen Übermut entstehen.

Beides kann dazu führen, dass dein Trading-Plan zunehmend in den Hintergrund rückt.


Typische Anzeichen für Overtrading

Overtrading erkennt man meistens nicht an einem einzelnen Trade.

Es zeigt sich vielmehr durch bestimmte Verhaltensmuster.

Du erhöhst nach Verlusten deine Handelsfrequenz

Ein Trade endet im Stop-Loss.

Kurz darauf erscheint der nächste Trade.

Und noch einer.

Nicht unbedingt, weil plötzlich mehrere hervorragende Setups entstanden sind, sondern weil du den vorherigen Verlust ausgleichen möchtest.

Dieses Verhalten wird häufig als Revenge Trading bezeichnet.

Der Markt weiß allerdings nicht, dass du gerade einen Verlust gemacht hast.

Der nächste Trade hat deshalb nicht automatisch eine höhere Wahrscheinlichkeit, erfolgreich zu sein.

 

Du suchst aktiv nach einem Grund zu traden

Professionelles Trading bedeutet häufig auch:

nichts zu tun.

Wenn deine Strategie aktuell kein Setup liefert, gibt es keinen Grund, eine Position zu eröffnen.

Beim Overtrading passiert häufig genau das Gegenteil.

Der Trader wechselt:

  • den Markt,

  • den Timeframe,

  • den Indikator,

  • oder sogar die Strategie,

bis irgendwo ein vermeintliches Signal auftaucht.

Damit wird aus dem Warten auf ein Setup die Suche nach einer Rechtfertigung für einen Trade.

 

Du weichst von deinen Einstiegsregeln ab

Vielleicht verlangt deine Strategie normalerweise drei Bestätigungen.

Plötzlich reichen zwei.

Oder sogar nur eine.

Besonders gefährlich sind Gedanken wie:

„Normalerweise würde ich hier noch warten, aber der Markt könnte gleich loslaufen.“



Damit wird aus einem regelbasierten Trade schnell eine spontane Entscheidung.

 

Deine Positionsgröße verändert sich emotional

Overtrading betrifft nicht nur die Anzahl der Trades.

Auch eine plötzlich erhöhte Positionsgröße kann ein Warnsignal sein.

Typische Gedanken sind:

„Den letzten Verlust hole ich mit dem nächsten Trade wieder rein.“

oder:

„Heute läuft es richtig gut, jetzt kann ich etwas mehr riskieren.“

Die Positionsgröße sollte jedoch nicht davon abhängen, wie du dich gerade fühlst.

Sie sollte sich aus deinem vorher festgelegten Risikomanagement ergeben

Warum entsteht Overtrading?

Die Ursachen können unterschiedlich sein.

Langeweile

Das klingt banal, ist aber ein häufiger Faktor.

Wer mehrere Stunden vor einem Chart sitzt, möchte irgendwann etwas tun.

Das Problem:

Der Markt bezahlt dich nicht für Aktivität.

Manchmal besteht die beste Trading-Entscheidung darin, keinen Trade zu eröffnen.


Angst, eine Bewegung zu verpassen

Ein Markt beginnt stark zu steigen.

Du bist nicht investiert.

Sofort entsteht das Gefühl:

„Ich verpasse den Move.“

Diese sogenannte FOMO – Fear of Missing Out – kann dazu führen, dass Trader einem Markt hinterherspringen, obwohl der geplante Einstieg längst vorbei ist.

Ein wichtiger Grundsatz lautet deshalb:

Eine verpasste Gelegenheit ist kein Verlust.

Der nächste Trade kommt.


Revenge Trading

Nach einem Verlust entsteht häufig der Wunsch, möglichst schnell wieder auf den vorherigen Kontostand zurückzukehren.

Dadurch verändert sich das Ziel.

Statt:

„Ich handle mein System.“

lautet das Ziel plötzlich:

„Ich muss mein Geld zurückholen.“

Ab diesem Moment bestimmt nicht mehr der Trading-Plan die Entscheidung, sondern das Ergebnis des vorherigen Trades.


Übermut nach Gewinnen

Nicht nur Verluste können Overtrading auslösen.

Auch eine Serie erfolgreicher Trades kann gefährlich sein.

Mehrere Gewinne hintereinander können den Eindruck vermitteln, den Markt gerade besonders gut zu verstehen.

Dadurch werden möglicherweise:

  • mehr Trades eröffnet,

  • größere Positionen gehandelt,

  • oder schlechtere Setups akzeptiert.

Eine Gewinnserie verändert jedoch nicht automatisch die Qualität des nächsten Signals.

7 Regeln, mit denen du Overtrading vermeiden kannst

Overtrading lässt sich am besten verhindern, wenn Entscheidungen vor der emotionalen Situation getroffen werden.



1. Definiere klare Einstiegskriterien

Ein Setup sollte möglichst eindeutig beschrieben sein.

Statt:

„Der Markt sieht bullish aus.“

brauchst du konkrete Bedingungen.

Zum Beispiel:

  • Marktstruktur erfüllt?

  • Einstiegszone erreicht?

  • Bestätigung vorhanden?

  • Stop-Loss sinnvoll platzierbar?

  • Chance-Risiko-Verhältnis ausreichend?

  • Risiko innerhalb der eigenen Regeln?

Je klarer dein Setup definiert ist, desto schwieriger wird es, einen impulsiven Trade zu rechtfertigen.


2. Lege ein maximales Tagesrisiko fest

Eine der effektivsten Regeln gegen Overtrading ist ein festes Tageslimit.

Beispielsweise:

Nach Erreichen meines maximalen Tagesverlustes wird nicht weiter gehandelt.

Damit verhinderst du, dass aus einem schlechten Trading-Tag durch Revenge Trading ein sehr schlechter Trading-Tag wird.

Das konkrete Limit sollte zu deinem individuellen Risiko- und Trading-Modell passen.


3. Begrenze die Anzahl deiner Trades

Für manche Strategien kann zusätzlich eine maximale Anzahl von Trades sinnvoll sein.

Beispielsweise:

Maximal drei Trades pro Session.

Dadurch entsteht automatisch eine interessante Veränderung:

Wenn du nur drei Möglichkeiten hast, überlegst du dir genauer, welches Setup tatsächlich gut genug ist.


4. Nutze eine Trading-Checkliste

Vor jedem Einstieg beantwortest du dieselben Fragen.

Zum Beispiel:

  • Entspricht der Trade meiner Strategie?

  • Ist das Setup vollständig?

  • Wo liegt mein Stop-Loss?

  • Wie groß ist mein Risiko?

  • Ist das Chance-Risiko-Verhältnis akzeptabel?

  • Würde ich diesen Trade auch eingehen, wenn mein letzter Trade ein Gewinn gewesen wäre?

  • Handle ich gerade das Setup oder meine Emotion?

Wenn du eine dieser Fragen nicht eindeutig beantworten kannst, kann es sinnvoll sein, den Trade auszulassen.


5. Führe ein Trading-Journal

Ein Trading-Journal zeigt dir Verhaltensmuster, die während des Tradings kaum auffallen.

Dokumentiere deshalb nicht nur:

  • Einstieg,

  • Ausstieg,

  • Gewinn oder Verlust,

sondern auch:

  • Warum wurde der Trade eröffnet?

  • War das Setup regelkonform?

  • Wie war dein emotionaler Zustand?

  • War es der erste, zweite oder fünfte Trade des Tages?

Nach einigen Wochen kannst du beispielsweise feststellen:

Meine ersten beiden Trades sind profitabel, danach verschlechtert sich meine Performance deutlich.

Eine solche Erkenntnis kann wesentlich wertvoller sein als der nächste neue Indikator.


6. Mache nach Verlusten bewusst Pause

Nach einem emotional belastenden Trade sofort die nächste Position zu eröffnen, ist häufig keine gute Idee.

Eine einfache Regel kann deshalb lauten:

Nach einem Stop-Loss mindestens 10 oder 15 Minuten keine neue Position eröffnen.

Die genaue Dauer ist weniger wichtig als das Prinzip.

Du schaffst Abstand zwischen dem Ergebnis des letzten Trades und der Entscheidung über den nächsten.


7. Akzeptiere, dass Nicht-Traden zum Trading gehört

Das ist vermutlich einer der wichtigsten Punkte.

Ein Trader muss nicht jeden Tag handeln.

Es kann Tage geben, an denen der Markt kein geeignetes Setup liefert.

Das bedeutet nicht, dass du etwas falsch gemacht hast.

Im Gegenteil:

Keinen Trade zu eröffnen, wenn deine Bedingungen nicht erfüllt sind, ist ebenfalls eine erfolgreiche Umsetzung deiner Strategie.

Ein einfacher Test gegen Overtrading

Bevor du deinen nächsten Trade eröffnest, stelle dir drei Fragen:

1. Ist das wirklich mein Setup?

Nicht ungefähr.

Nicht fast.

Sondern tatsächlich nach deinen vorher definierten Regeln.


2. Hätte ich diesen Trade auch als ersten Trade des Tages genommen?

Wenn der Trade hauptsächlich deshalb attraktiv erscheint, weil du vorher verloren oder gewonnen hast, solltest du besonders vorsichtig sein.


3. Kann ich problemlos akzeptieren, wenn dieser Trade ausgestoppt wird?

Wenn ein Verlust emotional oder finanziell kaum akzeptabel wäre, ist möglicherweise dein Risiko zu hoch.

Diese drei Fragen können bereits helfen, viele unnötige Trades zu vermeiden.

Weniger Trades können bessere Trades bedeuten

Viele Trader konzentrieren sich darauf, mehr Chancen am Markt zu finden.

Langfristig kann jedoch die gegenteilige Frage wesentlich interessanter sein:

Welche Trades kann ich konsequent weglassen?

Wenn du zehn Trades ausführst, von denen nur fünf wirklich deinen Regeln entsprechen, liegt das Problem möglicherweise nicht bei deiner Strategie.

Es liegt bei den fünf Trades, die eigentlich nie hätten eröffnet werden sollen.

Trading bedeutet deshalb nicht, möglichst häufig richtigzuliegen.

Es bedeutet, die eigene Strategie möglichst konsequent umzusetzen.

Fazit: Kontrolle schlägt Aktivität

Overtrading entsteht häufig dann, wenn Emotionen die Kontrolle über die Handelsentscheidungen übernehmen.

Langeweile, FOMO, Revenge Trading oder Übermut können dazu führen, dass Trader von ihren eigenen Regeln abweichen.

Die Lösung besteht nicht darin, überhaupt keine Emotionen mehr zu haben.

Viel wichtiger ist es, ein Trading-System zu entwickeln, das möglichst wenig Raum für spontane Entscheidungen lässt.

Klare Einstiegsregeln, feste Risikolimits, eine Trading-Checkliste und ein Trading-Journal können dabei helfen.

Denn am Ende ist nicht entscheidend, wie viele Trades du machst.

Entscheidend ist, ob die Trades, die du machst, tatsächlich deinem Plan entsprechen.

 

Bei Trader Helfen Trader geht es nicht darum, möglichst viel zu handeln, sondern darum, Trading besser zu verstehen, Erfahrungen auszutauschen und langfristig strukturiertere Entscheidungen zu treffen.

Teile deine Erfahrungen mit anderen Tradern:

Kennst du Overtrading aus deinem eigenen Trading? Und welche Regel hilft dir am meisten dabei, unnötige Trades zu vermeiden?

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Über den Author

Michael G.. - Founder PimpYourTrading
Michael ist einer der Gründer von PimpYourTrading . Sein Aufgabengebiet liegt vor allem in den wöchentlichen Analysen und fundamentalen Ausblicken für unsere Mitglieder. Zudem betreut Michael die Trader Helfen Trader Gruppe und ist Mit-Entwickler des Grundlagenkurses

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