Wann solltest du lieber keinen Trade eingehen?

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Wann solltest du lieber keinen Trade eingehen?

Beim Trading dreht sich vieles um die Frage: Wann ist der richtige Zeitpunkt für einen Einstieg?

Mindestens genauso wichtig ist jedoch eine andere Frage:

Wann solltest du bewusst keinen Trade eingehen?

Denn langfristig erfolgreiche Trader unterscheiden sich nicht nur dadurch, welche Chancen sie erkennen. Sie wissen auch, wann sie besser an der Seitenlinie bleiben.

Nicht jeder Markt muss gehandelt werden. Nicht jedes Signal ist ein gutes Signal. Und manchmal ist der beste Trade tatsächlich der, den du nicht eingehst.

In diesem Artikel zeigen wir dir typische Situationen, in denen Zurückhaltung häufig die bessere Entscheidung ist.

1. Wenn du keinen klaren Trading-Plan für den Trade hast

Du beobachtest den Markt, der Kurs beginnt sich zu bewegen und plötzlich entsteht dieses Gefühl:

„Da muss ich rein.“

Genau hier solltest du vorsichtig werden.

Bevor du einen Trade eröffnest, solltest du zumindest beantworten können:

  • Warum möchte ich einsteigen?
  • Wo liegt mein konkretes Einstiegssignal?
  • Wo ist der Trade für mich ungültig?
  • Wo liegt mein Stop-Loss?
  • Welches Ziel verfolge ich?
  • Passt das Chance-Risiko-Verhältnis zu meiner Strategie?

Kannst du diese Fragen nicht beantworten, handelst du möglicherweise keine Strategie – sondern eine spontane Idee.

Ein guter Trade sollte nicht erst nach dem Einstieg erklärt werden müssen.

2. Wenn du nur aus FOMO einsteigen möchtest

Der Markt steigt.

Und steigt.

Und steigt weiter.

Du hattest die Bewegung eigentlich auf dem Schirm, hast den Einstieg aber verpasst. Jetzt sieht es so aus, als würde der Kurs ohne dich davonlaufen.

Die Versuchung ist groß, einfach noch schnell einzusteigen.

Das klassische FOMO – Fear of Missing Out.

Das Problem: Nur weil eine Bewegung bereits stark ist, bedeutet das nicht automatisch, dass ein Einstieg jetzt noch sinnvoll ist.

Im Gegenteil: Je weiter sich der Markt bereits von deinem ursprünglich geplanten Einstieg entfernt hat, desto schlechter kann dein Chance-Risiko-Verhältnis werden.

Statt dem Markt hinterherzulaufen, kann die bessere Entscheidung deshalb sein:

Trade abhaken und auf das nächste Setup warten.

Trading bietet immer wieder neue Chancen.

3. Wenn du deinen Verlust unbedingt zurückholen möchtest

Ein Verlusttrade gehört zum Trading dazu.

Problematisch wird es, wenn aus einem Verlust plötzlich ein persönlicher Auftrag wird:

„Den hole ich mir jetzt zurück.“

Aus einem normalen Verlust kann dann schnell Revenge Trading entstehen.

Typische Anzeichen dafür sind:

  • größere Positionsgrößen als normalerweise,
  • spontane Einstiege,
  • niedrigere Qualitätsanforderungen an Setups,
  • mehrere Trades direkt hintereinander,
  • Ignorieren des eigenen Risikomanagements.

In diesem Zustand geht es häufig nicht mehr darum, einen guten Trade einzugehen.

Es geht darum, recht zu bekommen oder Geld zurückzugewinnen.

Und genau dann kann eine Pause wertvoller sein als der nächste Einstieg.

4. Wenn du emotional aufgewühlt bist

rt meist schlechter, wenn Emotionen gerade die Kontrolle übernehmen.

Dazu gehören beispielsweise:

  • Frust,
  • Angst,
  • Euphorie,
  • Stress,
  • Ungeduld,
  • Ärger.

Besonders gefährlich kann auch übermäßige Euphorie sein.

Nach mehreren erfolgreichen Trades entsteht schnell das Gefühl, den Markt besonders gut zu verstehen. Dadurch werden Risiken möglicherweise unterschätzt und Positionsgrößen erhöht.

Eine einfache Frage kann helfen:

Würde ich diesen Trade genauso eingehen, wenn mein vorheriger Trade nicht existiert hätte?

Wenn die Antwort Nein lautet, beeinflusst möglicherweise deine aktuelle Emotion die Entscheidung.

5. Wenn dein Setup nicht vollständig ist

  • Fast jeder Trader kennt diese Situation:

    Das Setup sieht fast perfekt aus.

    Nur ein Kriterium fehlt.

    Also redet man sich ein:

    „Das wird schon.“

    Genau hier beginnt häufig das Aufweichen der eigenen Regeln.

    Wenn deine Strategie beispielsweise fünf Bedingungen für einen Einstieg verlangt und nur vier davon erfüllt sind, dann hast du streng genommen möglicherweise kein gültiges Setup.

    Das bedeutet nicht, dass der Trade zwangsläufig verlieren würde.

    Darum geht es auch nicht.

    Es geht darum, deinen Prozess reproduzierbar zu halten.

    Wenn du deine Regeln ständig spontan veränderst, wird es irgendwann schwierig herauszufinden, ob deine Strategie überhaupt funktioniert.

6. Wenn das Chance-Risiko-Verhältnis nicht mehr stimmt

Ein gutes Setup kann zu einem schlechten Trade werden, wenn du zu spät einsteigst.

Angenommen, du hast einen möglichen Trade geplant. Der Markt bewegt sich jedoch bereits deutlich in deine erwartete Richtung, bevor du einsteigen kannst.

Jetzt gibt es zwei Möglichkeiten:

Du passt deinen Stop-Loss künstlich an, um den Trade irgendwie attraktiv aussehen zu lassen.

Oder du akzeptierst:

Der ursprünglich geplante Einstieg ist vorbei.

Die zweite Variante ist häufig professioneller.

Nicht jeder verpasste Einstieg muss nachgeholt werden.

7. Wenn wichtige Nachrichten bevorstehen und sie nicht Teil deiner Strategie sind

insentscheidungen, Inflationsdaten, Arbeitsmarktdaten oder andere bedeutende Nachrichten können innerhalb kürzester Zeit starke Bewegungen auslösen.

Das kann zu:

  • erhöhter Volatilität,
  • schnellen Kursbewegungen,
  • größeren Spreads,
  • Slippage

führen.

Das bedeutet nicht, dass News grundsätzlich nicht gehandelt werden dürfen.

Es bedeutet lediglich:

Wenn deine Strategie nicht darauf ausgelegt ist, solltest du nicht spontan zum News-Trader werden.

Wer normalerweise technische Setups handelt, sollte sich vorher überlegen, wie er mit bevorstehenden Nachrichten umgeht.

8. Wenn der Markt nicht zu deiner Strategie passt

Nicht jede Marktphase eignet sich für jede Strategie.

Eine Trendstrategie kann beispielsweise Schwierigkeiten bekommen, wenn sich der Markt längere Zeit seitwärts bewegt.

Eine Mean-Reversion-Strategie wiederum kann in einem aggressiven Trend unter Druck geraten.

Deshalb solltest du nicht nur das konkrete Einstiegssignal betrachten.

Frage dich auch:

Passt das aktuelle Marktumfeld überhaupt zu meiner Strategie?

Manchmal liegt das Problem nicht am Setup.

Das Setup befindet sich schlicht in der falschen Marktphase.

9. Wenn du übertradest (Overtrading)

Du sitzt vor den Charts und suchst.

Und suchst.

Und suchst weiter.

Irgendwann findest du garantiert irgendeinen Grund für einen Trade.

Das Problem dabei:

Du hast dann möglicherweise nicht auf ein Setup gewartet – sondern so lange gesucht, bis du dir eines konstruiert hast.

Typische Warnsignale für Overtrading können sein:

  • ungewöhnlich viele Trades,
  • immer niedrigere Anforderungen an Setups,
  • Wechsel auf kleinere Zeiteinheiten aus Langeweile,
  • spontane Marktwechsel,
  • das Gefühl, unbedingt aktiv sein zu müssen.

Doch Aktivität ist im Trading nicht automatisch Produktivität.

Du wirst nicht dafür bezahlt, möglichst viele Trades zu eröffnen.

Entscheidend ist die Qualität deiner Entscheidungen.

10. Wenn du müde oder unkonzentriert bist

Dieser Punkt wird häufig unterschätzt.

Trading ist mentale Arbeit.

Wer müde, gestresst oder stark abgelenkt ist, kann leichter:

  • falsche Positionsgrößen eingeben,
  • Stop-Loss-Level falsch setzen,
  • wichtige Informationen übersehen,
  • Regeln vergessen,
  • impulsive Entscheidungen treffen.

Wenn deine Konzentration deutlich eingeschränkt ist, kann es deshalb sinnvoller sein, den Handelstag auszulassen.

Der Markt ist auch morgen noch da.

11. Wenn du eigentlich nur aus Langeweile tradest

Ein Chart bewegt sich permanent.

Dadurch entsteht schnell der Eindruck, dass auch permanent etwas zu tun wäre.

Doch ein Trader benötigt nicht ständig eine Position.

Manchmal gibt es über Stunden oder sogar über mehrere Tage kein Setup, das den eigenen Anforderungen entspricht.

Das kann langweilig sein.

Aber genau diese Langeweile auszuhalten, gehört zur Disziplin.

Ein Trade sollte entstehen, weil deine Kriterien erfüllt sind – nicht weil du Unterhaltung suchst.

 

12. Wenn du deinen eigenen Trade nicht verstehst

Dieser Punkt ist besonders wichtig, wenn du Trading-Signale, Expert Advisors, Indikatoren oder Strategien anderer Trader verwendest.

Bevor du echtes Kapital riskierst, solltest du zumindest verstehen:

  • Was wird gehandelt?
  • Warum entsteht der Einstieg?
  • Wie hoch ist das Risiko?
  • Unter welchen Bedingungen entstehen Verluste?
  • Wann wird die Position geschlossen?
  • Welche Drawdowns können auftreten?

Blindes Vertrauen ersetzt kein Risikomanagement.

Auch wenn ein System automatisiert arbeitet, bleibt die Verantwortung für das eingesetzte Kapital letztlich bei dir.

Nicht zu traden ist ebenfalls eine Entscheidung

Viele Anfänger denken, ein guter Trader müsse ständig Positionen im Markt haben.

Das Gegenteil kann der Fall sein.

Professionelles Trading besteht zu einem erheblichen Teil aus Warten.

Warten auf:

  • das richtige Setup,

  • den richtigen Preis,

  • die richtige Marktphase,

  • ein akzeptables Risiko.

Du kannst nicht kontrollieren, welcher einzelne Trade gewinnt oder verliert.

Du kannst aber kontrollieren, welche Trades du überhaupt eingehst.

Und genau hier beginnt gutes Risikomanagement.

Eine einfache Regel für deinen nächsten Trade

Bevor du das nächste Mal auf „Kaufen“ oder „Verkaufen“ klickst, stelle dir drei Fragen:

1. Entspricht dieser Trade wirklich meiner Strategie?

2. Kenne ich mein Risiko, bevor ich einsteige?

3. Würde ich diesen Trade auch eingehen, wenn ich vollkommen ruhig und emotionslos wäre?

Wenn du bei einer dieser Fragen zögerst, lohnt es sich möglicherweise, noch einmal genauer hinzusehen.

Denn manchmal ist die beste Trading-Entscheidung ganz einfach:

Keinen Trade einzugehen.

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Über den Author

Michael G.. - Founder PimpYourTrading
Michael ist einer der Gründer von PimpYourTrading . Sein Aufgabengebiet liegt vor allem in den wöchentlichen Analysen und fundamentalen Ausblicken für unsere Mitglieder. Zudem betreut Michael die Trader Helfen Trader Gruppe und ist Mit-Entwickler des Grundlagenkurses

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